Schnelle Leitung, langsame Anwendung: Wo Unternehmen die Ursache suchen sollten
Ein Speedtest liefert gute Werte. Webseiten lassen sich aufrufen und die Internetverbindung ist verfügbar. Trotzdem reagiert die cloudbasierte Projektplattform langsam, das Warenwirtschaftssystem stockt oder Mitarbeitende warten ungewöhnlich lange auf eine Antwort der Anwendung.
Der erste Verdacht fällt häufig auf den Internetanschluss. Das ist nachvollziehbar, aber nicht immer richtig. Zwischen dem Arbeitsplatz und einer externen Anwendung liegen mehrere technische Stationen. Eine Verzögerung kann an jeder dieser Stationen oder in ihrem Zusammenspiel entstehen.
Wie lässt sich das Problem sinnvoll eingrenzen, bevor unterschiedliche Beteiligte auf Verdacht nach der Ursache suchen?
Ein guter Messwert bildet nicht den gesamten Arbeitsweg ab
Ein Speedtest misst unter den jeweiligen Testbedingungen den erreichbaren Datendurchsatz zwischen dem Testgerät und dem ausgewählten Testserver. Das Ergebnis ist eine Momentaufnahme. Es kann unter anderem durch das Endgerät, LAN oder WLAN, parallele Nutzung und den Testserver beeinflusst werden.
Der Test bildet deshalb nicht automatisch den tatsächlichen Weg zu einer bestimmten Geschäftsanwendung ab. Diese kann in einem anderen Rechenzentrum betrieben werden, über zusätzliche Sicherheitsdienste erreichbar sein oder selbst verzögert reagieren.
Auch Bandbreite, Datendurchsatz und Reaktionszeit sind nicht dasselbe. Die Bandbreite beschreibt die verfügbare Übertragungskapazität. Ein Speedtest ermittelt, welcher Datendurchsatz unter den jeweiligen Testbedingungen erreicht wird. Wie schnell eine Anwendung reagiert, hängt zusätzlich von der Netzlaufzeit und davon ab, wie schnell die Anwendung selbst eine Anfrage verarbeitet und beantwortet.
Zwischen Eingabe und Antwort können unter anderem folgende Bereiche beteiligt sein:
- der Arbeitsplatz und das verwendete Endgerät
- das lokale LAN oder WLAN
- die Namensauflösung über DNS
- Firewall und weitere Sicherheitsdienste
- die Internetanbindung
- externe Netze und Verbindungspfade
- die Anwendung oder Cloudplattform selbst
Ein unauffälliger Wert in einem dieser Bereiche bedeutet deshalb noch nicht, dass der gesamte Ablauf aus Sicht der Mitarbeitenden störungsfrei funktioniert.
Nicht mit der vermuteten Ursache beginnen
Für die erste Einordnung ist das beobachtete Muster oft hilfreicher als die Frage, welche Komponente möglicherweise defekt ist.
Ein Arbeitsplatz und eine Anwendung sind betroffen
In diesem Fall lohnt sich zunächst ein Blick auf das Endgerät, den verwendeten Browser oder Client, das Benutzerkonto und die lokale Verbindung. Funktioniert dieselbe Anwendung an einem anderen Arbeitsplatz, wird der allgemeine Internetanschluss als Ursache weniger wahrscheinlich.
Mehrere Arbeitsplätze, aber nur eine Anwendung sind betroffen
Dann sollte geprüft werden, was diese Zugriffe gemeinsam haben. Das können die Anwendung selbst, ein zentraler Anmeldedienst, die Namensauflösung, eine Sicherheitsprüfung oder ein gemeinsam genutzter Verbindungspfad sein.
Funktionieren andere externe Dienste zur selben Zeit ohne Auffälligkeiten, ist ein allgemeiner Bandbreitenengpass nicht automatisch die naheliegendste Erklärung.
Mehrere Anwendungen an einem Standort sind betroffen
Treten Verzögerungen gleichzeitig bei unterschiedlichen externen Diensten auf, rücken das lokale Netzwerk, die Firewall, die Standortanbindung oder eine starke gleichzeitige Auslastung stärker in den Fokus.
Hilfreich ist dabei der Vergleich zwischen LAN und WLAN. Funktionieren kabelgebundene Arbeitsplätze normal, während nur WLAN-Verbindungen betroffen sind, sollte auch das Funknetz geprüft werden.
Mehrere Standorte melden dasselbe Problem
Sind verschiedene Standorte zur gleichen Zeit betroffen, können eine gemeinsam genutzte Anwendung, ein zentraler Dienst oder ein übergreifender Netzwerkpfad eine Rolle spielen.
Auch hier gilt: Das gemeinsame Auftreten ist ein Hinweis, aber noch kein Beweis für eine bestimmte Ursache.
Der Zeitpunkt liefert wichtige Hinweise
Neben den betroffenen Arbeitsplätzen, Anwendungen und Standorten ist entscheidend, seit wann die Verzögerung auftritt.
Wurde kurz zuvor eine Software aktualisiert? Gab es eine neue Firewallregel, eine geänderte WLAN-Konfiguration oder ein Update der Anwendung? Läuft zu dieser Zeit regelmäßig eine größere Datensicherung? Tritt das Problem nur zu bestimmten Tageszeiten auf?
Ein zeitlicher Zusammenhang beweist noch nicht, dass eine Änderung verantwortlich ist. Er liefert aber einen konkreten Ansatz für weitere Tests und verhindert, dass alle beteiligten Systeme gleichzeitig und ohne klare Richtung untersucht werden.
Diese Informationen erleichtern die Fehlersuche
Bevor die Unternehmens-IT, der Internetanbieter oder der Anwendungsanbieter eingebunden werden, sollten die wichtigsten Beobachtungen möglichst genau festgehalten werden:
- Wann ist die Verzögerung erstmals aufgetreten?
- Tritt sie dauerhaft oder nur zu bestimmten Zeiten auf?
- Welche Anwendung und welche konkrete Funktion sind betroffen?
- Betrifft das Problem einen oder mehrere Arbeitsplätze?
- Ist nur ein Standort oder sind mehrere Standorte betroffen?
- Erfolgt der Zugriff über LAN, WLAN oder aus dem Homeoffice?
- Welche anderen externen Dienste funktionieren zur selben Zeit?
- Gibt es eine Fehlermeldung oder einen Screenshot?
- Wurde kurz zuvor etwas an der IT-Umgebung verändert?
- Lässt sich das Verhalten zuverlässig wiederholen?
Aus „Das Internet ist langsam“ wird so eine deutlich präzisere Beschreibung. Das erleichtert die Zuordnung und kann unnötige Abstimmungsschleifen zwischen verschiedenen Beteiligten vermeiden.
Wer kann welchen Bereich prüfen?
Je nach Ursache sind unterschiedliche Ansprechpersonen gefragt.
Die interne IT oder der betreuende IT-Dienstleister prüft typischerweise Endgeräte, Benutzerkonten, das lokale Netzwerk, WLAN, Firewall und Konfigurationen.
Bei einer von bn bereitgestellten Anbindung prüfen wir den Anschluss und die Leistungen innerhalb des vertraglich vereinbarten Verantwortungsbereichs.
Der Anbieter einer Anwendung oder Cloudplattform prüft den Betrieb des Dienstes, die Plattform und anwendungsbezogene Einschränkungen.
Nicht jede beteiligte Stelle kann den gesamten technischen Weg überblicken. Umso wichtiger ist es, Beobachtungen so zu dokumentieren, dass sie über Zuständigkeitsgrenzen hinweg nachvollziehbar bleiben.
Mehr Bandbreite ist nicht automatisch die Lösung
Wenn viele datenintensive Vorgänge gleichzeitig stattfinden oder regelmäßig große Datenmengen übertragen werden, kann eine leistungsfähigere Anbindung den notwendigen Spielraum schaffen.
Ist dagegen nur eine bestimmte Anwendung betroffen, während andere Dienste störungsfrei funktionieren, löst ein Tarifwechsel das Problem nicht zwangsläufig. Dann sollte zuerst geklärt werden, an welcher Stelle die Verzögerung tatsächlich entsteht.
Eine zuverlässige Internetanbindung bleibt die Grundlage für digitale Geschäftsprozesse. Wie gut eine konkrete Anwendung im Arbeitsalltag funktioniert, hängt jedoch vom gesamten Weg zwischen Arbeitsplatz und Anwendung ab.
Anforderungen und Zuständigkeiten frühzeitig klären
Sie möchten grundsätzlich einordnen, was Ihre Internetanbindung im Arbeitsalltag leisten muss? Unser Praxischeck unterstützt Sie dabei, wichtige Abläufe, Datenübertragungen und mögliche Folgen einer Unterbrechung strukturiert zu betrachten.
Sie möchten die Anforderungen an die Anbindung eines konkreten Unternehmensstandorts besprechen? Unser Geschäftskundenteam berät Sie persönlich zu den verfügbaren Möglichkeiten.
Besteht bereits eine technische Einschränkung an Ihrem bn:t Geschäftskundenanschluss?